Journaling zum Jahresabschluss: Eine sanfte Anleitung für deinen Jahresrückblick
Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende zu. Es wurden neue Kapitel geschrieben, alte beendet, Happy Ends gefeiert und Cliffhanger offen gelassen. 365 Tage voller Erfahrungen, Möglichkeiten, Eindrücke, Erkenntnisse, Begegnungen und Entscheidungen liegen hinter uns. 52 Wochen voller Freude, Trauer, Hoffnung, Wut, Glück, Verzweiflung und allem, was dazwischen liegt. Zwölf Monate voller Höhen und Tiefen. Der Jahreswechsel ist der perfekte Zeitpunkt, um all diese Erlebnisse zu reflektieren und einen persönlichen Jahresrückblick zu erstellen. Besonders gut eignen sich dafür Journaling-Fragen und kleine Rituale, um das Jahr liebevoll zu verabschieden.
Im folgenden Beitrag findest du verschiedene Ideen für deinen Jahresrückblick, die du als gesamte Anleitung nutzen kannst oder dir einzelne Aspekte davon für deine persönliche Reflexion heraussuchen kannst. Viel Freude!
Warum Journaling zum Jahresabschluss so wirkungsvoll ist
Journaling bietet dir einen ganz wundervollen Raum für Reflexion und die Verarbeitung von Ereignissen aus deinem Leben. Es ist ein intuitives Tool, um deine Gedanken und Gefühle zu sortieren, ohne dich dabei unter Druck zu setzen. Dein Journal ist ein Safe Space für deine Learnings und alle Gefühle, die dieses Jahr begleitet haben. Alles, was du schreibst, gehört nur dir.
Deshalb lade ich dich ein, die folgenden Übungen und Ideen auf dich wirken zu lassen. Mach sie der Reihe nach durch oder picke dir die Fragen raus, die dich besonders ansprechen. Das Wichtigste: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Alles ist erlaubt, jedes Wort hat seine Berechtigung und jeder Satz eine tiefere Bedeutung. Nimm dir Zeit, dein Jahr ganz achtsam und intuitiv zu beenden.
Vorbereitung für deinen Jahresrückblick: Den richtigen Raum schaffen
Eine Reflexion zum Jahresabschluss ist keine Aufgabe, die du schnell zwischen zwei Terminen erledigst, sondern eine Einladung, dir selbst zuzuhören. Wähle einen Zeitpunkt, an dem du möglichst ungestört bist, sowie einen Ort, an dem du dich sicher und wohl fühlst. Leg dir alles bereit, was du brauchst: ein Notizbuch, einen Stift, vielleicht eine Tasse Tee oder eine Kerze. Schalte Benachrichtigungen aus und erlaube dir, für diese Zeit nichts „leisten” zu müssen.
Bevor du los schreibst, halte kurz inne und spüre in dich hinein. Du kannst dir innerlich oder schriftlich eine kleine Intention setzen, zum Beispiel: „Wie möchte ich mich während dieses Rückblicks fühlen?” oder „Was wünsche ich mir von dieser Zeit mit mir selbst?”
Mein Tipp: Bei meinen Jahresrückblick-Workshops starten wir mit einer Visualisierungsreise durch das Jahr. Das hilft dabei, die vergangenen Monate wieder präsent ins Gedächtnis zu rufen. Du kannst dazu die Augen schließen und das Jahr wie einen Film Revue passieren lassen. Schau dir all die wichtigen Momente noch einmal an, lass alle wichtigen Charaktere auftauchen und alle Orte, an denen sich dein Jahr abgespielt hat. Lass die Bilder ganz intuitiv entstehen und gehe nur so tief in belastende Szenen, wie du es im Moment möchtest. Nimm dir dafür gerne zehn Minuten Zeit, um ohne Druck und Eile in Erinnerungen zu schwelgen.
Jahresrückblick-Journaling: Schritt-für-Schritt Anleitung
Ein Jahresrückblick kann für jeden Menschen ganz unterschiedlich aussehen. Für manche reichen ein paar allgemeine Reflexionsfragen, während andere Lust auf einen Deep Dive durch ihr ganzes Jahr machen möchten. Die folgende Anleitung soll dir dabei als Inspiration dienen – du kannst jederzeit Übungen ergänzen oder Fragen skippen, die nicht zu dir passen.
Schritt 1: Das Jahr in seiner Ganzheit
Für den Beginn deiner Jahresreflexion kann es helfen, einen Überblick über das Jahr zu kreieren und wichtige Ereignisse einzuordnen.
Beantworte dazu die folgenden Journaling-Fragen:
Welche drei Worte beschreiben mein Jahr?
Wenn mein Jahr ein Film wäre, welchen Titel würde ich ihm geben?
Was hat dieses Jahr besonders geprägt?
Welche Phasen waren besonders wichtig für mich?
Welche Veränderungen haben in diesem Jahr stattgefunden?
Wie hat sich mein Leben in diesem Jahr entwickelt?
Welche neuen Dinge habe ich dieses Jahr erlebt?
Wie ging es mir in verschiedenen Lebensbereichen – privat, beruflich, finanziell, etc.?
Tipp: Wenn du möchtest, kannst du zusätzlich eine kleine Timeline aufmalen, auf der du alle wichtigen Ereignisse markierst.
Schritt 2: Herausforderungen und Entwicklungspotentiale
Als nächstes kannst du dich mit den eher negativen Momenten auseinandersetzen. Hierbei ist es wichtig, dass du auf dein Wohlbefinden achtest. Wenn sich etwas zu schmerzlich anfühlt, mach eine kurze Pause oder lass diesen Teil deines Jahres für den Moment ruhen. Nicht alle Dinge müssen hier und jetzt Sinn machen oder vollkommen abgeschlossen werden.
Ganz wichtig: Wenn du dich mit Herausforderungen, Fehlern oder generell negativ konnotierten Momenten beschäftigst, solltest du immer auch das Entwicklungspotential dahinter reflektieren. Stelle dir daher immer auch die Frage: Wozu war das gut?
Passende Fragen zur Jahresreflexion:
Was hat mir dieses Jahr am meisten Energie geraubt?
Welche Handlung habe ich immer wieder getan, obwohl sie mich blockiert hat?
Welche limitierenden Gedanken oder Muster kann ich rückblickend erkennen?
Was waren herausfordernde Momente und wie bin ich mit ihnen umgegangen?
Wozu waren all diese Dinge gut?
Was waren meine größten Learnings dieses Jahr?
Welche Stärke durfte ich zwischen den Herausforderungen entdecken?
Schritt 3: Highlights und Dankbarkeit
Nun geht es natürlich noch an die Reflexion der schönen Momente des Jahres. Nimm dir hier ganz bewusst Zeit, Dankbarkeit in deinen Körper einzuladen.
Beantworte folgende Reflexionsfragen:
Was waren die Highlights meines Jahres?
Worauf bin ich besonders stolz?
Was sind meine Top 3 Erinnerungen?
Welche Personen haben dieses Jahr besonders gemacht?
Wann habe ich mich am meisten wie ich selbst gefühlt?
Was hat mir am meisten Energie gegeben?
Welche neuen Erfahrungen durfte ich sammeln?
Wofür bin ich dieses Jahr besonders dankbar?
Ritual-Tipp: Wenn du möchtest, kannst du deine schönsten Momente auf Zettel schreiben und diese in einem Marmeladenglas sammeln. So kannst du die Erinnerungen buchstäblich konservieren. Wenn es dir mal nicht so gut geht, kannst du einen Zettel herausnehmen und dich zurück an diese schöne Zeit erinnern.
Schritt 4: Loslassen und Vergebung finden
Du könntest deinen Jahresrückblick an dieser Stelle schon guten Gewissens beenden. Wenn du noch ein bisschen tiefer gehen möchtest, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um Altes loszulassen.
Passende Fragen:
Wem möchte ich vor dem Jahresende noch vergeben?
Was möchte ich mir selbst vergeben?
Was möchte ich in diesem Jahr zurücklassen?
Was möchte ich noch in diesem Jahr abschließen?
Welche veralteten Glaubenssätze möchte ich loslassen?
Zusätzliche Ideen:
Mach ein Vergebungs-Ritual (z. B. Ho'oponopono).
Schreibe die Dinge, die du loslassen möchtest, auf kleine Zettel. Verabschiede dich innerlich von ihnen und verbrenne oder zerreiße dann die Zettel.
Schreibe einen Vergebungsbrief – an eine andere Person oder dich selbst.
Schritt 5: Integration
Nun ist es Zeit, deinen Jahresabschluss langsam ausklingen zu lassen. Dafür kannst du dir ein paar abschließende Fragen stellen, zum Beispiel:
Was nehme ich aus diesem Jahr mit?
Was ist mir wirklich wichtig geworden?
Was möchte ich mir selbst versprechen?
Was ist noch unausgesprochen?
Was brauche ich noch, um das Jahr zufrieden abschließen zu können?
Meine Lieblingsübung: Am Ende des Jahresrückblicks schreibe ich gerne einen Brief an das Jahr. Darin kannst du noch einmal alles loswerden, was dir auf dem Herzen liegt. Du könntest zum Beispiel so beginnen: „Liebes Jahr 2025, du hast mir gezeigt, dass …”.
Schritt 6 (optional): Ausblick auf das neue Jahr
Nach dem Jahresrückblick darf dein Blick langsam nach vorne wandern. Nicht im Sinne von neuen Vorsätzen oder klaren Zielen, sondern als leise, innere Ausrichtung. Es geht nicht darum, dich neu zu erfinden oder alles anders zu machen, sondern darum, wahrzunehmen, was sich aus dem Erlebten heraus zeigen möchte.
Vielleicht tauchen Gefühle, Werte oder Wünsche auf, die dich im kommenden Jahr begleiten sollen. Nimm sie wahr, ohne sie festzuhalten oder sofort in Pläne zu übersetzen. Manchmal reicht ein Wort, ein Bild oder ein Satz, der sich stimmig anfühlt.
Journaling-Ideen:
Mit welchem Gefühl möchte ich in das neue Jahr gehen?
Was darf mich im kommenden Jahr innerlich tragen?
Welche Haltung möchte ich mir selbst gegenüber einnehmen?
Was brauche ich, um mich im nächsten Jahr gut begleitet zu fühlen?
Welches Wort oder Bild steht für meine innere Ausrichtung?
Wie möchte ich mir begegnen, wenn es herausfordernd wird?
Tipp: Auch hier könntest du noch einen Brief integrieren, zum Beispiel an dein Zukunfts-Ich in einem Jahr. Schreibe auf, wo du in 365 Tagen gerne sein möchtest, was anders sein soll, was du dir wünscht, etc. Lege den Brief dann beiseite und stelle dir einen Reminder, dass du ihn im nächsten Jahr liest. Alternativ kannst du auch einen Brief an das kommende Jahr schreiben, so wie hier.
Weitere Tipps für deine Jahresreflexion
Dein Jahresrückblick muss nicht nur aus geschriebenen Worten bestehen. Manchmal ist es hilfreich, kreativ zu werden oder andere Zugänge zu wählen, um bestimmte Erkenntnisse zu gewinnen. Du könntest beispielsweise die schönsten oder bedeutungsvollsten Fotos des Jahres sammeln und daraus ein digitales oder analoges Board gestalten. Achte dabei weniger auf Perfektion als darauf, welche Bilder Gefühle in dir auslösen oder eine Geschichte erzählen.
Auch Rituale können deine Jahresreflexion vertiefen: ein Spaziergang, bei dem du bewusst an das vergangene Jahr denkst, eine Playlist mit Liedern, die dich begleitet haben, eine Meditation zum Loslassen oder ein Brief an dein vergangenes Ich.
Wenn du magst, kombiniere diese Elemente mit deinem Journaling und notiere, was beim Betrachten der Fotos oder während des Rituals in dir auftaucht. So entsteht ein vielschichtiger Jahresrückblick, der nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper und in den Gefühlen verankert ist.
FAQ zum Thema Jahresrückblick
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Ein Jahresrückblick entsteht, indem du dir bewusst Zeit nimmst, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Wichtig ist ein ruhiger Rahmen, in dem du ungestört reflektieren kannst. Anstatt alles chronologisch festzuhalten, kannst du dich auch an Gefühlen, prägenden Momenten und inneren Veränderungen orientieren. Journaling eignet sich besonders gut, da das Schreiben dabei hilft, Gedanken zu ordnen und Erlebtes tiefer zu verstehen. Wenn du schrittweise vorgehst, zum Beispiel mit einzelnen Übungen oder Themen, wird der Prozess übersichtlicher und sanfter.
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In einen Jahresrückblick gehören nicht nur äußere Ereignisse, sondern vor allem deine inneren Erfahrungen. Dazu zählen schöne Momente, Erfolge und Dinge, auf die du stolz bist, ebenso wie Herausforderungen, Zweifel oder Phasen des Umbruchs. Auch Dankbarkeit, Erkenntnisse und Learnings haben hier ihren Platz. Ein stimmiger Jahresrückblick beinhaltet außerdem einen bewussten Abschluss: das Loslassen dessen, was nicht mit ins neue Jahr genommen werden soll, sowie eine sanfte Ausrichtung auf das, was kommen darf.
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Einen Jahresrückblick zu schreiben, bedeutet nicht, einen perfekten Text zu verfassen. Du kannst frei, intuitiv und ohne feste Struktur beginnen. Hilfreich sind dabei offene Fragen oder Schreibimpulse, die dich durch die verschiedenen Bereiche des Jahres führen. Schreibe ehrlich und ungefiltert, ohne dich selbst zu bewerten oder zu korrigieren. Es geht weniger um schöne Formulierungen als darum, dir selbst zuzuhören. Dein Jahresrückblick darf persönlich, unordentlich und echt sein – genauso wie das Leben eben auch ist.
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